BannerSmall3.gif

  italiano   english   deutsch   español  
Home
Crespi d'Adda
Kontakte
Link
Download
Virtual Reality
Trasporti
 

Die Idee und das Dorf

 
Crespi d'Adda
Eine Perle der Industriearchäologie
Die Idee und das Dorf
Die Familie Crespi
Architektur und Stadtplanung
Das Dorf und die Häuser
Die Gemeinschaftseinrichtungen
Unesco Schirmherrschaft
Die angrenzenden Gebiete
Die Umgebung
Bibliographie
Fotogallery
Convegno - Crespi d’Adda: risorsa per lo sviluppo locale
Trasporti
News: Die Idee und das Dorf



Die Fabrik und das Dorf wurden von Komm. Cristoforo Benigno Crespi im Jahre 1878 gegründet. Cristoforo Crespi, der aus einer Färber-Familie aus Busto Arsizio (Varese) stammte und bereits Besitzer von drei Industriekomplexen war (Vaprio d` Adda, 1864 - Vigevano, 1867 - Ghemme, 1870), dachte an die Ansiedlung eines neuen Werks an den Ufern des Adda, und zwar an der Südspitze der „Isola Bergamasca", mit dem Ziel, das Wasser des Flusses als Antriebskraft zu nutzen. Tatsächlich erhielt er 1877, nachdem er 86 Hektar Land auf dem Gebiet der Gemeinden Canonica d`Adda und Capriate d`Adda erworben hatte, die Konzession zum Bau eines Kanals, der Teile der Wasser des Flusses in das Innere des (hydromechanischen, erst später hydro-elektrischen) Kraftwerkes leiten sollte.
Die Industrieanlage mit den ersten 10 000 Spindeln nahm ihren Betrieb am 25. Juli 1878 auf.
Palazzotto-.jpg
Wenig später wurden die Wohnhäuser (palasöcc) eingeweiht, die Crespi hatte errichten lassen, um die von seinen anderen Fabriken importierten Arbeiter unterzubringen.
Im Laufe der Jahre wurde die Anlage stetig weiter verbessert, besonders unter der Leitung des Sohnes des Gründers, des Senators Silvio Benigno Crespi.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts umfasste die Industrieanlage eine Abteilung für Spinnerei mit 30 000 Spindeln, eine Abteilung für Weberei mit 300 Webstühlen und eine für Färberei zur Fertigbehandlung der Stoffe ( die damals auf dem nationalen wie auf dem internationalen Markt sehr gefragt und geschätzt waren).




CasaOperaia.jpg
In jener Periode entwickelte sich das Arbeiterdorf um die Fabrik weiter: man gab den Typus des kasernen-ähnlichen Mehrfamilienhauses auf und führte den neuen Typus der kleinen Zweifamilienhäuser ein, die von einem Zier- wie von einem Nutzgarten umgeben waren. Die Entscheidung fiir diesen neuen Typ des Wohnens traf Silvio Crespi nach seinen Arbeitsaufenthalten in Frankreich, Deutschland und vor allem in England, wo er sich von der Mühsal (Belästigungen, Mangel an Hygiene, leichte Verbreitung von Krankheiten, schlechte nachbarschaftliche Beziehungen) überzeugen konnte, welche die Arbeiter in Mehrfamilienhäusern zu ertragen hatten.
So war er zu der Überzeugung gelangt, dass die wichtigste Aufgabe eines vorausschauenden und vorsorglichen Unternehmers darin bestand, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der eigenen Arbeiter zu verbessern. Dann gehen die Arbeiter ohne Probleme in die Fabrik, verrichten ihre Arbeit mit Sorgfalt, leisten mehr und vermeiden auch Arbeitsunfälle, die häufig durch Müdigkeit oder Unaufmerksamkeit verursacht wurden.
Wenn also Silvio Crespi auf der einen Seite Beschwernisse von seinen Arbeitern fern zu halten suchte, verfolgte er auf der anderen Seite doch auch sein eigenes Interesse.
Er wusste in der Tat, dass - würde er seine Arbeiter unter günstigen und ruhigen Bedingungen arbeiten lassen - dies nur von Vorteil für die Produktion sein könnte, dass er eine höhere Rentabilität erzielen, Absentismus vermeiden und vor allem keinerlei „Scherereien" innerhalb der Fabrik haben würde. Diesem seinem Denken folgend, beschloss Silvio, sein Dorf mit allen für seine Gemeinde notwendigen Einrichtungen zu versehen: mit Schule, Kirche, Sportplatz, öffentlichen Bädern und Duschen, Waschküche, kleinem Krankenhaus, Hauswirtschaftsschule, Musikkapelle und Feuerwehr, einem Lebensmittel- und Bekleidungs¬geschäft und einer Bar für den Feierabend.
Die Geschicke der Firma...
Fabbrica.jpg
Die Fabrik und das Arbeiterdorf von Crespi d` Adda, die am 25. Juli 1878 eingeweiht worden waren, blieben bis in die 30er Jahre im Besitz der Crespi. Bis in jene Zeit arbeitete das Werk mit voller Auslastung, beschäftigte 3200 Arbeiter und produzierte Garn und Baumwoll¬gewebe für Bettwäsche, Hemden, Satin, Popeline....., Gewebe, die damals in Italien ebenso wie im Ausland sehr gefragt waren.
Nach dem Ersten Weltkrieg und mit dem Aufkommen des Faschismus wurde auch die Fabrik Crespi von der allgemeinen Ungunst der Verhältnisse erfasst, deren Ursache die Krise war, die den grössten Teil der italienischen Industrien betraf und lahmlegte, bis sie schliesslich 1931 bei der Banca Commerciale Italiana in eine schwere Verschuldung geriet. Um der Krise zu begegnen, gründete letztere eine grosse Gesellschaft unter dem Namen Stabilimenti Tessili Italiani (STI), und zwar durch die Fusion dreier Firmengruppen: der Baumwollweberei Crespi, der Vereinigten Toskanischen Manufakturen und der Venezianischen Baumwoll¬weberei.
Das Dorf und die Fabrik wurden Eigentum der neuen Gesellschaft, und die Crespi, die zu Anfang noch Funktionen in der STI inne hatten, verliessen diese innerhalb kurzer Zeit und mit ihr auch das Dorf, das sie aufgebaut hatten. 1936 sorgte die IRI (Istituto per la Ricostruzione Industriale) für die Verwertung des industriellen Besitzes der Banca Commerciale Italiana und überliess die drei ursprünglichen Industriegruppen der STI an Private: jene von Crespi bekam den Namen „STI vormals Benigno Crespi“, bald abgekürzt als STI.
1970 wurde die STI mit der Manufaktur „Rossari & Varzi“ fusioniert, deren Namen dann auch auf das Werk Crespi überging. Nur zwei Jahre später geriet die „Rossari & Varzi“ als ein Element der undurchsichtigen Finanzmachenschaften der Gruppo Michele Sindona in die Krise, beendete jegliche Produktion und wurde zur Liquidation freigegeben
Nach verschiedenen Entwicklungen und Interventionen der Arbeiter, der Bewohner von Crespi, der Gewerkschaften und der Politik auf kommunaler, Provinz- und regionaler Ebene, wurde die Firma von zwei Gesellschaften erworben. Von der „Addafilo“ und von der „Inditex“, die beide von der Gepi und einigen privaten Gesellschaften gebildet wurden.
Die „Inditex“ (welche die Weberei, die Färberei und eine neue Zwirnerei kaufte) übernahm eine Stammbelegschaft von etwa 700 Arbeitern und gründete sich auf die Beteiligung Gepi¬Legler. Die „Addafilo“ (welche die alte Zwirnerei sowie das elektrische und das thermische Kraftwerk umfasste) wurde von einer Gruppe von sechs Gesellschaften verwaltet (Gepi, Legler, Zucchi, Bassetti, Eliolana und Lane Rossi) und gab etwa 200 Beschäftigten Arbeit.
Im Laufe der Jahre übernahm die Legler die Anteile aller übrigen Gesellschaften und blieb ab 1976 alleiniger Eigentümer des Industriekomplexes Crespi d’Adda. So sehr die Firma auch Personal abgebaut hatte, gelang es ihr doch, eine einigermassen zufriedenstellende Weiterbeschäftigung der zuvor bei der STI Beschäftigten zu garantieren. Nach der Erneuerung eines grossen Teils des Maschinenparks und nach der Einführung einer neuen Produktion basierend auf der Konfektion so genannter Denim-Gewebe ist das Werk heute weiterhin in Betrieb.
... und des Dorfes
Bagni.jpg
Die wechselhaften Geschicke der Fabrik spiegelten sich auch in der Entwicklung des Dorfes. Mit dem Aufkommen der STI in den 30er Jahren veränderte sich das Klima innerhalb des Dorfes: der Präsident der neuen Gesellschaft, Doktor Bruno Canto (ein überzeugter Faschist), hatte in allen Abteilungen eine rigide Organisation eingeführt und versuchte so weit als möglich vergessen zu machen, was die Crespi in über fiinfzig Jahren nutzbringender Arbeit geschaffen hatten.
Zum Symbol dieser Periode wird der Umbau der Arbeiterhäuser: mit dem Einbau von Toiletten und dem Abriss der alten Latrinen wurden auch die Ziegelstein-Dekorationen entfernt und die Häuser rot oder grün angestrichen. Auf diese Weise wollte man eine neue Bauweise im „faschistischen Stil“ einführen, der alles geradlinig und perfekt haben wollte.
Dieser historischen Epoche entsprang auch die Idee, den Ort in „Tessilia“ umzubenennen (ein Name klar faschistischer Prägung wie Littoria, Aprilia, Sabaudia, Pontinia...), und um die Arbeit und das Wirken des Faschismus zu rühmen wurde sogar eine gleichnamige Zeitschrift informativ-kulturellen Charakters verbreitet.

Die von der Direktion der STI eingeführte paternalistische Diktatur schuf unter den Arbeitern ein Klima der „Angst“, sodass sich niemand mehr getraute, seine eigenen Überzeugungen gegenüber der Firma zu äussern, aus Angst entlassen zu werden. In jener Phase verschwanden auch all jene sozialen Einrichtungen, welche die Fabrik zuvor garantiert hatte. In der Weberei waren noch 1600 Beschäftigte in Arbeit, etwa die Hälfte im Vergleich zu den Jahren 1928 - 1930.

Als 1972 die „Rossari &Varzi“ liquidiert wurde, wurde auch das Dorf zum Verkauf ausgeschrieben. Die Bewohner bildeten eine Genossenschaft, in der Hoffnung, sämtliche Häuser en bloc übernehmen zu können und so einen spekulativen Verkauf durch den Liquidator zu verhindern. Der Versuch der Bewohner schlug fehl, doch einem Grossteil der Arbeiter gelang es über private Verhandlungen, die eigenen Häuser (die mit etwa 12 Millionen Lire bewertet waren) zu erwerben. Die Häuser der Leiter der Fabrik und die Unternehmervilla wurden an Personen von ausserhalb des Dorfes verkauft.
Ein erheblicher Teil der Gebäude für die öffentlichen Einrichtungen (Schulen, Sportplatz, Postamt...) wurde von der Gemeinde und der Pfarrgemeinde von Crespi übernommen.
Die Mehrfamilienhäuser hingegen wurden vorübergehend von der Gemeinde übernommen, die den Bewohnern die Möglichkeit gab, ihre eigene Wohnung nach und nach abzulösen.
Die Kirche des Dorfes wiederum wurde 1984 der Pfarrgemeinde von Crespi geschenkt. Diese Schenkung geschah durch Dott. Bagnarelli, dem Liquidator der „Rossari & Varzi“, zum Andenken an seine Mutter Cleopatra Bagnarelli, nach der dann auch der Platz neben der Kirche (vormals Piazza Roma) benannt wurde.

© Alle Rechte vorbehalten

 
Login:
Pw:
 
  Crespi d'Adda > L'idea si fa paese

home | registrazione | ricerca | rssfeed | credits