| News: Architektur und Stadtplanung |
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Mit der architektonischen und städtebaulichen Planung von Dorf und Fabrik (mit Ausnahme des ersten Gebäudes der Spinnerei, ein Werk des Ing. Angelo Colla) wurde der Architekt Ernesto Pirovano betraut. Etwa fünfzig Jahre lang hat Pirovano, unterstützt von Ing. Pietro Brunati, die Arbeiten zur Errichtung des Dorfes besorgt und geleitet.
Die städtebauliche Anlage des Dorfes wird charakterisiert durch die Präsenz der Fabrik, die sich längs der Hauptstrasse entwickelt und die westlich zum Fluss Adda hin gelegene Bauzone einnimmt. Neben der Fabrik finden wir die Unternehmervilla, die sich mit ihrem Turm majestätisch und eindrucksvoll über das Dorf erhebt.
Die Häuser des Arztes und des Kaplans, im Norden der Siedlung gelegen, sind von den übrigen Wohnstätten getrennt und ragen auf einer Anhöhe heraus, als ob sie den Primat des Moralischen und Geistigen vor allen anderen Interessen unterstreichen wollten.
Die Kirche, die Schule, das Theater und fast alle anderen von der Familie Crespi zur Verfügung gestellten sozialen Einrichtungen sind im Zentrum des Dorfes angesiedelt, um welches sich die langen und wohl geordneten Reihen der Arbeiterhäuser gruppieren, durch Zier- und Nutzgärten voneinander getrennt.
Die einzelnen Häusergruppen werden getrennt durch ein planmässiges Netz parallel verlaufender Strassen, so als ob sie den Sinn für Ordnung und den Respekt den Dingen gegenüber verdeutlichen sollten, die Crespi seinen Arbeitern vermitteln wollte.
Die Dekoration der Häuser mit Sichtbacksteinen trägt zu deren Verschönerung und zur Vereinheitlichung des Gesamteindrucks beim Anblick des Dorfes bei. Im einzelnen zeigen die Fassaden der Häuser des Arztes und des Kaplans: Bögen in Ziegelstein über den Fenstern, Mäanderbänder knapp unterhalb der Dächer und „Stockwerksbänder" in Backstein, die entlang der Fassaden verlaufen. Ursprünglich waren auch die Fenster und die Türen der Arbeiterhäuser mit Backsteinen eingefasst und deren Fassaden zeigten die typischen Stockwerksbänder - Verzierungen, die nach dem Weggang der Crespi aus dem Dorf entfernt worden sind.
Die Fabrikhallen der Anlage in Shed-Bauweise sind über die Einfassungen in Sichtbackstein hinaus mit Friesen von achtstrahligen Sternen verziert, während die Fenster um Rosetten in Backstein bereichert sind. Das vornehme Gebäude, das die Büros der Fabrikdirektion beherbergt, ist noch reicher an solchen dekorativen Elementen, wie auch die Planung für die Villen der Abteilungsleiter und der Fabrikdirektoren an Ornamenten in verschiedenen Materialien nicht eben gespart hat. Diese Villen finden sich Richtung Süden, in einer vom übrigen Dorf deutlich abgehobenen Zone.
Am südlichsten Rand des Dorfes, am Ende der Hauptverkehrsachse, erhebt sich der Friedhof, gleichsam ein Symbol für die letzte Station auf der irdischen Reise jener Menschen, die das Dorf bewohnt hatten. Er wurde in den Jahren 1904 - 1905 von Gaetano Moretti entworfen: dieser Architekt projektierte darüber hinaus auch (im Auftrag von Crespi, der damit die Produktion von elektrischer Energie für die eigene Fabrik steigern wollte) das Wasserkraftwerk Taccani in Trezzo sull`Adda, ein Meisterwerk des Jugendstils aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts.
Der Friedhof liegt in einiger Entfernung zum Dorf und verbreitet mit seinem imposanten Mausoleum ein Gefühl des Unterworfenseins und der Traurigkeit, als wolle er die Macht der Herren und die Bescheidenheit und Armut der Untertanen unterstreichen, die mit ihren bescheidenen Grabsteinen auf der Wiese wie Sklaven zu Füssen der „Grossen" ruhen Was hier aufscheint, wird jedoch Silvio Crespi nicht gerecht, der aufgrund seines Glaubens an den Menschen und an die Familie zu seinen Arbeitern und Angestellten ein völlig anderes Verhältnis hatte.
Die Arbeiterhäuser
Die Zahl der Arbeiterhäuser mit einem oder zwei Eingängen, die Silvio Crespi für seine Beschäftigten hatte errichten lassen, beträgt etwa fünfzig.
Jene mit zwei Eingängen waren für zwei Familien bestimmt, von denen jede über vier Zimmer verfügte, die für sich genommen ein eigenes vollständiges Häuschen bildeten. Jene mit nur einem Eingang waren mit einer Treppe versehen, die zu acht Räumlichkeiten führte.
Je nach Zahl der Familienmitglieder beherbergten diese zwischen einer und drei Familien (dies war die zulässige Höchstzahl).
Die Räume im Innern waren sehr hoch: etwa 3,50 Meter. Darüber hinaus waren alle mit breiten Fenstern versehen um sicher zu stellen, dass die Häuser bestmöglich belüftet und besonnt wurden, was Sen. Silvio Crespi als unabdingbar für die Gesundheit seiner Arbeiter erachtete.
Die Toiletten befanden sich ausserhalb der Gebäude und waren mit Stehtoilette und Waschbecken ausgestattet. Ein nahe gelegener Schuppen diente als Holzlager und Hühnerstall.
Um die Häuschen herum lagen, eingefasst von Bretterzäunen und mit den „regge“ aus den Bändern der Baumwollballen, die Zier- und die Gemüsegärten, die noch heute von den Bewohnern gepflegt und angepflanzt werden. Zu den Zeiten, als die Crespi noch Eigentümer derselben waren, überboten sich die Arbeiter gegenseitig in ihrem Bemühen, diese sauber und ordentlich zu halten. Ja, es gab sogar eine eigene Kommission mit der Aufgabe, die Gärten in Abständen zu inspizieren und sie in einer Rangordnung zu bewerten. Am Ende des Jahres wurde die besten mit einer Auszeichnung bedacht.
Es war dies eine intelligente Weise, den Arbeitern einen Vorschlag zur Nutzung ihrer freien Zeit zu machen, und es spornte zugleich die Bewohner an, das eigene Haus auch äusserlich in Ordnung zu halten, um dem ganzen Dorf ein schmuckes Aussehen zu verleihen.
Die Häuser wurden den beschäftigten Arbeitern zugewiesen, und der Mietvertrag war begrenzt auf die Dauer ihrer Anwesenheit in der Fabrik. Am Ende des Arbeitsverhältnisses hätten sie - vertragsgemäss - ihre Häuser verlassen müssen, was aber praktisch nie geschehen ist, da stets mindestens ein Mitglied jeder Familie in der Fabrik arbeitete.
Der Mietzins, der Licht, Wasser und Gas mit einschloss, war sehr moderat: er betrug etwa ein Drittel dessen, was die Mieter von Häusern in den Nachbardörfern bezahlten. Er wurde mittels Abzug von der vierzehntägigen Lohntüte bezahlt.
Einen Nachlass gab es für kinderreiche Familien oder Familien in Schwierigkeiten sowie für jene Arbeiter, die ihre Arbeit mit Fleiss und Sorgfalt verrichteten.
Die Beziehungen zwischen dem Arbeitgeber und seinen Beschäftigten waren gut: obwohl mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen ist, seit die Familie Crespi das Dorf verlassen hat, und obwohl seither auch ein Generationenwechsel stattgefunden hat, haben sich beide Seiten bis heute eine gute Erinnerung an das Vergangene und eine gegenseitige Wertschätzung bewahrt. Die Herren Crespi waren es auch, die, wenn sie „auf dem Land“ weilten, die Kranken und die Alten besuchten und es dabei auch nicht versäumten, den Familien, die gerade in Schwierigkeiten waren, etwas zu geben.
Der Aufbau des Dorfes zog sich über mehrere Jahre hin.
Das Arbeiterdorf, so wie es heute zu sehen ist, wurde in den 1930er Jahren fertig gestellt. Im Jahre 1928, als man den 50. Jahrestag der Fabrikgründung feierlich beging, war das Dorf nahezu fertig ausgebaut.
Die Villen
Il cimitero si distacca dal complesso architettonico del paese, creando, con l’imponente mausoleo, un senso di soggezione e di mestizia. Sembra voler rimarcare la potenza dell’impero e l’umiltà e le povertà dei sudditi che giacciono ai piedi dei “grandi” in atto di servitù, simboleggiate dalle umili lapidi poste nel prato antistante il mausoleo. Ciò che traspare, però, non rende onore a Silvio Crespi, che, grazie al culto che nutriva per l’uomo e la famiglia, con i suoi operai e dipendenti si è comportato in maniera decisamente diversa.
... der Abteilungsleiter
• Die fünf kleineren Villen der Abteilungsleiter,
zwischen 1925 und 1930 in einem etwas abgesonderten Gebiet erstellt, unterscheiden sich von den Arbeiterhäusern sowohl architektonisch wie auch im Hinblick auf ihre Kubatur und die Verwendung dekorativer Elemente. Diese kleineren Villen wurden wie die Arbeiterhäuser von zwei bis drei Familien bewohnt - je nach Grösse und Zusammensetzung der dort lebenden Familien.
...der Leiter der Fabrik
• Die Villen der Leiter der Fabrik,
acht an der Zahl, wurden ebenfalls in einem abgesonderten Gebiet errichtet und unterschieden sich gegenseitig voneinander; ihre besondere Architektur verweist auf den angelsächsischen Stil. Sie sind aus verschiedenen Materialien gebaut: eine in gekröneltem Kies, andere in Sichtstein und in Flusssteinen des Adda. Zu diesen gehört auch die Villa des Generaldirektors der Fabrik, die sich von den anderen durch eine Laube mit Terrasse in Holzbauweise unterscheidet, welche das eigentliche Wohnhaus von einer Dependance trennt.
All diese Villen sind umgeben von wunderschönen Gärten, die an kleine Parks erinnern. Ihre Bauzeit fällt ebenfalls in die Jahre zwischen 1925 und 1930.
Die Unternehmer – „Villa“
Die eigentliche Unternehmer - „Villa“, die den mittelalterlichen Stil des 13. Jahrhunderts anklingen lässt, nimmt eine Fläche von 700 Quadratmetern ein. Sie zeigt zwei Türme: einen mit Zinnen bewehrten 50 Meter hohen Turm, von dem aus man das prächtige Panorama rund um den Adda geniessen kann, von den Bergamasker und Leccheser Voralpen bis zur lombardischen Tiefebene, sowie einen zweiten, etwas weniger grossen, der mit einer Terrasse bekrönt ist und den Wassertank enthält.
Äusserlich ist die Villa im Erdgeschoss mit Adda - Flusssteinen und in den oberen Partien mit Sichtbacksteinen ausgekleidet. Die Fassungen der Fenster und Loggien bestehen aus profilierten Ziegeln in verschiedenen Farben und aus behauener und glasierter Terracotta. Um einen Farbkontrast zur Terracotta zu schaffen, wurden für die Kapitelle, die Fensterbänke, die Widerlager und die Treppen reichlich Steine aus Saltrio, Mapello und Verona verwendet sowie eine äusserst vielgestaltige Reihe bunter Marmorsteine für die etwa achtzig Säulen der zweibogigen Fenster und der Loggien.
Sodann gibt es einige in Zement ausgeführte Teile für Öffnungen und Rahmen mit Motiven, die sich häufig wiederholen. Die Vielfarbigkeit im Äusseren wird vervollständigt durch Freskomalereien, Mosaiken aus Venedig und Hochreliefs in Marmor aus Carrara. Die Türen und Fenster sind geschmückt mit Vergoldungen, Bronzen und reich verzierten schmiedeeisernen Arbeiten.
Die Wohnräume im Innern waren ca. 40 an der Zahl. Als Durchgangsraum diente eine etwa 100 Quadratmeter grosse Halle, die sich über alle Stockwerke des Hauses erstreckte und von Loggien mit reicher Dekoration an Schnitzwerk und Farben umgeben und von einem doppelten Oberlicht mit bemaltem Glas bedeckt war.
Mit Plan und Ausführung des dekorativen Teils war der Architekt Ernesto Pirovani betraut, für den konstruktiven Teil war der Ingenieur Pietro Brunati zuständig.
Das Gebäude war umgeben von einem wunderschönen Park, zu dessen Pflege ein eigener Gärtner bestellt war.
Die Geschicke der Villa sind die des Dorfes im Ganzen und lassen sich so zusammen fassen:
• seit 1892 (Erbauungsjahr) wurde sie von den Crespi besonders in den Sommermonaten bis in die 1930er Jahre hinein bewohnt;
• ab 1936-37, als die Geschicke der Firma und des gesamten Dorfes in die Hände der STI (Stabilimento Tessili Italiani) übergingen, wurde die Villa Sitz der GIL (Gioventù Italiana del Litorio), dort wurden nun die jungen Führungskader des damals herrschenden Faschismus ausgebildet;
• während der Kriegsjahre 1941-45 wurde sie Kommandozentrale einer militärischen Fahrzeugeinheit, der Park diente als Parkplatz für Militärfahrzeuge;
• In den 1960er Jahren wurde dort die Mittelschule (Sekundarstufe I) der Gemeinde Capriate San Gervasio provisorisch untergebracht;
• Seit Anfang der 1970er Jahre, nach der Liquidation der „Rossari und Varzi“, wurde die Villa von einem Privaten erworben, der noch heute Besitzer des Anwesens ist.
Es versteht sich von selbst, dass die Villa unter diesen wechselnden Besitzverhältnissen diverse Veränderungen im Inneren erfuhr und das Mobiliar verloren ging.
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