| News: Die Gemeinschaftseinrichtungen |
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Crespi d’Adda war eine idealsche Stadt, weil sie bevölkert und selbstständig war: das Dorf war mit fortschrittlichen Gemeinschaftseinrichtungen, die den Arbeitern einen hoher Lebensstandard boten, ausgestattet war.
Entlang des „Fosso Bergamasco” waren die Häuser des Doktors und des Priesters idealische Beschützer der Bevölkerung: die Familie Crespi bezahlte und einstellte sie. Sie für den geistlichen Beistand und das Wohlsein der Bevölkerung verantwortlich waren.
Schulgebäude
Das Schulgebäude wurde 1892 erbaut und hatte den Zweck, allen kulturellen Aktivitäten in Crespi ein Heim zu bieten: der Schule, dem Kindergarten, der Hauswirtschaftsschule und der Musikkapelle.
Es umfasst drei Stockwerke und hat sich sein ursprüngliches Aussehen nicht bewahrt, da es in der Zeit des Faschismus verändert wurde. Die Grundschule und der Kindergarten waren im Besitz der Crespi, also privat, aber die Lehrpläne ähnelten denen der staatlichen Schulen und wurden zwischen der Leitung der Schule und der Familie Crespi abgestimmt. Unterricht gab es an fünf Tagen der Woche, und zwar in der Zeit zwischen 8 und 12 und von 13 Uhr 30 bis 16 Uhr. Der Schulbesuch war ebenso wie die Schuluntensilien (Schulbücher, Hefte, Bleistifte, Radiergummis, Federn etc.) kostenlos.
Die Grundschule sah nur die ersten drei Klassen vor, denn in jener Epoche wurden die Jungen in ganz Italien bereits im Alter von 9 - 10 Jahren in das Arbeitsleben eingeführt. Für die, die weiterhin die Schule besuchen wollten, hatte die Fabrikdirektion einen Bus für den täglichen Transport nach Bergamo bereit gestellt, wo sie nach einem Vorbereitungskurs in die „Berufsvorbereitungsschule“ aufgenommen wurden, die vier Jahre dauerte: Am Ende des Ausbildungsgangs erhielten sie ein Abschlusszeugnis, das ihnen die Aufnahme in der Fabrik, ermöglichte.
Um den Schülern Anreize und Motivation zum Schulbesuch zu geben und in der Absicht, die Schulkosten der Familien zu senken, hatten die Crespi etliche Stipendien vergeben, die an die Verdienstvollsten vergeben werden sollten.
Für die jungen Frauen des Dorfes und für die anderen Arbeiterinnen der umliegenden Dörfer wurde eine Hauswirtschaftsschule eingerichtet, die Kurse in Zuschneiden, Nähen, Sticken, Kochen etc. anbot. Auch dies kostenlos und mit einem Befähigungszeugnis am Ende der Ausbildung. Ebenfalls im Schulgebäude war die Musikkapelle untergebracht (die aus etwa 40 Mitgliedern bestand), dort kamen die Mitglieder zusammen zu Musikstunden und Proben vor Konzerten oder vor vaterländischen oder religiösen Veranstaltungen. Auf der Rückseite des Gebäudes gab es auch einen Saal für Theateraufführungen und Filmvorführungen. Dieser Saal wurde jenen zur Verfügung gestellt, die mit der Vorbereitung von Theateraufführungen oder von komisch-musikalischen Darbietungen beschäftigt waren, die zu bestimmten Anlässen inszeniert wurden. All dies waren Initiativen im Bereich der „Kulturarbeit", und es ist wichtig festzuhalten, dass diese Initiativen nach und nach aufhörten, nachdem die Crespi von der STI übernommen worden war. Nur die Grundschule blieb unter staatlicher Leitung in Betrieb.
Kirche
Die Kirche des Dorfes, im Stile des Bramante, ist eine fast identische Kopie der Kirche Santa Maria an der Piazza von Busto Arsizio, dem Herkunftsort der Crespi. Erbaut zwischen 1891 und 1893, weist sie ein Fundament aus Adda-Flusssteinen auf (Sedimentgestein), eine Sockelzone aus Travertin und das Portal aus rotem Veroneser Marmor.
Der Grundriss ist quadratisch, darüber spannt sich eine grosszügige oktagonale Kuppel, die wiederum von einer Loggia aus kleinen Marmorsäulen umgeben ist.
Im Inneren beherrscht die Kuppel den gesamten für die Gläubigen bestimmten Raum. Es gibt drei Altäre, das Taufbecken und den Chor sowie die über dem Eingangsportal gelegene Orgel. An den Seitenwänden findet man zwei Wandbilder aus dem 16./17. Jahrhundert, welche Christi Geburt darstellen. Die Kirche besitzt auch ein Gaudenzio Ferrari zugeschriebenes Gemälde, ein Kruzifix aus dem 17. Jahrhundert sowie eine dem ambrosia¬nischen Ritus entsprechende silberne Monstranz.
1893 als Nebenkirche der Pfarrkirche von Capriate San Gervasio (welche die Mutterkirche war) für Gottesdienste geweiht, wurde sie 1926 Pfarrvikariat (mit der Möglichkeit, alle Sakramente zu spenden). 1984 wurde die Kirche der Gemeinde geschenkt, Pfarrkirche wurde sie erst 1990.
Waschküche
Wenig entfernt von der Kirche findet man eine öffentliche Waschküche (heute nicht mehr in Gebrauch), wo die Frauen des Dorfes ihre Wäsche wuschen, als die Häuser noch nicht mit Waschbecken ausgestattet und Waschmaschinen noch nicht erfunden waren.
Die Waschküche entstand auf eine Initiative der Gemeinde hin, damit die Frauen nicht mehr länger auf den mühsamen (ca. einen Kilometer langen) Weg zum Fluss angewiesen waren, um dort ihre Wäsche am Ufer zu waschen. Der Bau der Waschküche wurde den Crespi von der Gemeinde auferlegt, als Ausgleich für die Erlaubnis zum Bau eines Stegs für Fussgänger über den Seitenkanal, der in der Nähe des Ortsteils Concesa von Trezzo sull’Adda das bergamaskische mit dem mailändischen Ufer des Flusses verbinden sollte.
Eine Gemeinschaft lebt nicht allein von Brot und Arbeit, sondern auch vom Gebet, von der Kultur, von Unterhaltung und von gesunden und anständigen Sportarten. All dessen war sich Silvio Crespi bewusst, als er für die Bewohner des Dorfes ein Sportgelände ersann, mit Sportplätzen für jene Disziplinen, die damals in Mode waren: Fussballplatz, Radrennbahn, einen Platz für Trommelballspiel, einen für Tennis, usw.
Sportplatz
Das Sportgelände wurde in den 1920er und 1930er Jahren vor allem wegen der dort veranstalteten Radrennen bekannt (z.B. der Giro della Bergamasca, vergleichbar mit dem heutigen Milano-Sanremo) wo Radfahrer von nationalem und internationalem Ruf zusammenkamen.
Freizeitheim
Das Freizeitheim hatte den Zweck, durch Aktivitäten wie Sport, Ausbildung, Unterstützung, Wohlfahrt und gegenseitige Unterstützung zwischen den Mitgliedern die Regeneration der Bevölkerung während ihrer Freizeit zu fördern. . Alle Aktivitäten kultureller, sportlicher oder erholsamer Art fanden hier zahlreiche Anstösse und Anregungen. Tatsächlich gab es hier verschiedene Abteilungen: die Sportabteilung, eine für Laienschauspiel und Film sowie eine für Musik und Kultur. Im Freizeitheim selbst wurden auch alkoholische Getränke verkauft, sofern sie nicht mehr als 21% Alkohol hatten.
Das Freizeitheim befand sich im Gebäude neben der Waschküche, in der Nähe der Kirche. Hier kamen die Arbeiter nicht nur zu ihren Versammlungen zusammen, sondern auch zum Gespräch mit Freunden oder um eine Runde Karten oder Boccia zu spielen.
Um die Mittagszeit wurde das Heim den Arbeitspendlern für ihr mitgebrachtes Vesper zur Verfügung gestellt.
Bäder
Die öffentlichen Bäder befanden sich in der Nähe des Kamins der Anlage zur Heiss wasserbereitung für die Fabrik. In dem Bau gab es Duschen sowie ein kleines Schwimm becken mit warmem Wasser. Sie standen sowohl den Bewohnern von Crespi als auch den Arbeitern der Fabrik zur Verfügung, vor allem in jener Zeit, in der die Häuser noch ohne Duschen und Bäder waren.
Krankenstation
In der Nähe der beiden an der Kreuzung der Strasse Richtung Friedhof und der Richtung Pinienwald gelegenen Villen, welche die Büros der Fabrikdirektion beherbergten, gab es einen weiteren villenähnlichen Bau, der als Ambulanz und Krankenhaus diente. Ausgestattet mit allen medizinischen Einrichtungen und geleitet von einem Arzt und einer Krankenschwester, fanden hier all jene Menschen des Dorfes Aufnahme, die dauerhaft medizinische Hilfe brauchten und die diese aus verschiedenen Gründen nicht zu Hause erhalten konnten. Im Erdgeschoss waren die Ambulanz sowie ein Raum für kleinere chirurgische Operationen, für Behandlungen und erste Hilfe untergebracht. Im Obergeschoss hingegen fanden sich die Räume für die Bettlägerigen.
Die Konsumgenossenschaft
Die „Konsumgenossenschaft“ war eine von den Fabrikangehörigen gegründete Vereinigung zum Verkauf von Lebensmitteln und anderen Waren, die einzige, die es damals wie heute im Dorf gab. In der Nähe des „Pinienwaldes“ neben dem Stadtgarten gelegen, beherbergt sie heute einen Friseur sowie einen Laden für Brot, Lebensmittel und Kleidung.
Friedhof
Der Friedhof des Dorfes, erbaut zwischen 1904 und 1905, wird von dem grossen Mausoleum beherrscht„ in dem die verstorbenen Angehörigen der Familie Crespi begraben liegen.
Das Mausoleum, erbaut in Form einer Pyramide, ist im oberen Teil mit drei Statuen geschmückt, welche die drei göttlichen Tugenden darstellen: Glaube, Hoffnung, Liebe.
Am Ende der breiten Treppe auf der Innenseite des Eingangs befindet sich eine mit einem feinen Mosaik geschmückte Kapelle, mit einem Altar in der Mitte und zu beiden Seiten je einer Tür, die zu einem tiefer gelegenen Raum führen, wo die Särge mit den sterblichen Hüllen der Crespi verwahrt sind. An der Bronzetür der Kapelle fällt eine lateinische Inschrift auf. Mors et vita duello conflixere mirando: mors mortua est (der Tod und das Leben sind sich begegnet in wundersamem Kampf: der Tod ist besiegt worden). Es ist ein Satz aus der Ostermesse, der die Auferstehung des Herrn ankündigt. Nach aussen erweitert sich das Mausoleum um eine halbrunde Mauer: sie erinnert an zwei Arme, die länger werden, als wollten sie eine Umarmung simulieren. Einige sehen darin eine paternalistische Geste, ich würde sie eher „freundschaftlich“ nennen, denn zwischen den Bewohnern des Dorfes und den Angehörigen der Familie Crespi gab es stets und bis in unsere Tage eine aufrichtige Sympathie und gegenseitige Zuneigung, obwohl die Familie Crespi seit über 60 Jahren nicht mehr im Dorf wohnt.
Auf den Wiesen vor dem Mausoleum fallen die Säulenstümpfe (oder Steine) in Zement und in der Form von Kreuzen auf, welche die Firma Crespi allen verstorbenen Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung gestellt hat, mit Ausnahme jener, die einen anderen Grabstein auf eigene Kosten haben wollten. In solchen Fällen aber kamen die Gräber an der Friedhofsmauer zu liegen, um die Harmonie zwischen dem Mausoleum und dem davor liegenden Gräberfeld nicht zu stören.
Der Besucher wird auf den Zementsäulenstümpfen am Eingang Inschriften mit den Namen vieler Kinder bemerken, die in der Zeit zwischen 1928/29 und 1932/33 in Folge einer Gastroenteritis-Epidemie gestorben sind, die damals in diesem Gebiet ausgebrochen ist.
Auf diesem Friedhof gibt es auch ein ganz besonderes Familiengrab: Auf dem Grabstein sind die Arbeitswerkzeuge eingemeisselt, welche der Arbeiter (oder Abteilungsleiter) in der Fabrik benutzt hatte: das Zahnrad, der Winkel, das Lineal, der Hammer, die Zange, der Zirkel usw.
Zu beiden Seiten der schmiedeeisernen Friedhofstüre stehen zwei Betonbauten: der eine diente als Leichenhaus, der andere als Gerätelager. Der Friedhof wie im übrigen das ganze Dorf stehen unter dem Schutz staatlichen Denkmalbehörde.
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